Am Anfang und am Ende,
im Ursprung und in der Entfaltung allenLebens,
steht das transzendente «Ich bin».
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Bewegung kommen: Aus dem Schatten ans Licht.
Die Frage nach der Transzendenz Spiritualität bezieht sich auf Transzendentes, auf eine Wirklichkeit jenseits dieser Wirklichkeit, laut Duden jenseits des Bereichs der sinnlichen Erfahrung und ihrer Gegenstände. Gemeint ist auch die Jenseitigkeit Gottes und der Begriff wird auch als Synonym für Gott gebraucht. Gelebte Spiritualität braucht praktische Übungen, zeigt sich im alltäglichen Handeln. Dieser Gedanke hat mich zu Graf Dürckheim(1) geführt, nennt er doch eines seiner Bücher «Alltag als Übung»(2) . Spiritualität zeigt sich in der ethischen Haltung und in ethischem Handeln. Dies führte mich weiter zu den Fragen, was Graf Dürckheim unter Transzendenz verstanden hat und worin für ihn spirituelles Handeln bestand, was er lehrend weiter gegeben hat. Ich bin dabei auf Parallelen zu unserem therapeutischen Handeln und zu den Sondermeridianqualitäten gestossen, was die Leserinnen, welche die Methode PDKA LIKA kennen, nicht erstaunen wird. Steht doch (z.B.) bei unserem Säulenmodell über der Eutonie das Wort Transzendenz. Was versteht Graf Dürckheim unter Transzendenz? « Wenn wir in diesem Buch(3) von Transzendenz sprechen, was meinen wir damit? Wir meinen das den Horizont unseres natürlichen Wissens und Fühlens Überschreitende, meinen das unfassbare, all unser Leben durchwirkende Wesen aller Wesen, das überweltliche, übergegenssätzliche Sein. Wir meinen das Leben, das grosse Leben, das jenseits ist von Leben und Tod. Wir meinen das allbeseelende Wesen, an dem wir in individueller Weise teilhaben in unserem eignen Wesen, das Leben, aus dem und in dem wir sind, in dem und aus dem allein wir wirklich wir selbst werden können, das Leben, das uns immer von neuem heimnimmt und wieder hervorbringt und das als unser Lebensquell, Sinnzentrum und wahre Herkunft in und durch uns erscheinen will als die wahre Person und offenbar werden in unserem Leben, das heisst in unserem Erkennen, Gestalten und Lieben in der Welt. » Er schreibt, dass wir im unmittelbaren Erleben Transzendenz als Du erfahren und fragt, warum wir dann nicht gleich von Gott sprechen. «Weil wir für den wahrhaft Betroffenen und Suchenden unserer Zeit die Erneuerung des religiösen Lebens erschwert, ja oft sogar gefährdet wird, wenn die uns heute neu geschenkten Urerfahrungen des Göttlichen alsbald in einem Wort festgehalten werden…….Darum sprechen wir wechselweise von der anderen Dimension, vom überweltlichen Leben, vom göttlichen Sein, dem überraumzeitlich Wirklichen, dem Absoluten, dem Grossen Leben, oder ……..» Für Graf Dürckheim ist Transzendenz nicht Orientierung an überliefertem Glauben, sondern Erfahrung. Wie aber ist dies uns Menschen möglich? Dafür muss ich skizzieren, wie er den Menschen innerhalb der Welt und in Bezug zur Transzendenz sieht? Graf Dürckheim spricht vom „doppelten Ursprung des Menschen“: «Der Mensch ist zweifachen Ursprungs, er ist himmlischen und irdischen, natürlichen und übernatürlichen Ursprungs.» Dies zeigt sich in zweierlei Leiden und zweierlei Glück. «Es gibt das Leiden unter den Bedrohungen, Ungerechtigkeiten und Grausamkeiten dieser Welt und unter dem Ungenügen, dem allem nicht in der rechten Weise gewachsen zu sein. Und so gibt es das Glück im Erfahren von Sicherheit, Sinn und Liebe in dieser Welt. Etwas anderes sind Glück und Leiden des Menschen aus seinem Einssein oder Nicht-Einssein mit seinem überweltlichen Wesen. Es gibt das Leiden aus der Getrenntheit vom Wesen. Und es gibt ein Glück aus dem Einssein mit dem Wesen mitten in der Gefährlichkeit, Sinnwidrigkeit und Einsamkeit der Welt, das Glück im Erleben einer geheimnisvollen Präsenz, die das Leiden unter der Welt verwandelt und aufhebt. Im Glück und Leiden des allseits bedingten Welt-Ichs erscheint der irdische Ursprung des Menschen. Im Glück und im Leiden, die aus dem Einssein oder Nicht-Einssein mit dem Wesen herstammen, erscheint der überweltliche Ursprung des Menschen, der in ihm verborgen Gott.» Er unterscheidet also unser Welt-Ich von unserem Wesen. Die Momente, wo wir in Berührung kommen mit unserem himmlischen Ursprung, nennt er numinose (Numen = Wink einer Gottheit, göttliches Wesen) Erfahrungen. «Wie ein Silberstrom zieht sich durch die Zeiten die Kunde von Menschen, die irgend einmal, wie vom Blitz getroffen, eine andere Wirklichkeit erfuhren, die sie mit einem Schlage aus einer Not befreite oder als Einbruch einer Verheissung in eine andere Ebene rief. Erschütternde Erfahrungen des in ihr gewöhntes Dasein einbrechenden überweltlichen Seins. (….) Es gibt die weniger herausragenden Augenblicke und Stunden, in denen wir uns unerwartet in einen besonderen Zustand versetzt finden, worin von uns unverstanden, das Sein uns berührt. Ganz plötzlich ist uns eigenartig zumute. Wir sind ganz gegenwärtig, ganz da – und doch nicht auf etwas Bestimmtes gerichtet. Wir fühlen uns in eigentümlicher Weise „rund“ und in uns „geschlossen“, und doch zugleich in einer Weise geöffnet, in der sich eine grosse Fülle auftut. Wir sind wie schwebend und bewegen uns doch sicher und ausgeglichen auf der Erde. Wir sind abwesend und doch ganz da, ganz leer und voller Leben. Wir ruhen ganz in uns selbst und sind doch zugleich allem zuinnerst verwandt. Wir sind allem enthoben und zugleich in allem darin, sind allem verbunden und haften an nichts.(…) Das soeben Gespürte schwindet wie ein Geträumtes dahin. (…) In solchen Erfahrungen überschreitet etwas unser gewöhnliches Bewusstsein, und wir erfahren etwas, das transzendenter Natur ist. Sei diese Erfahrung auch noch so kurz. Vielleicht währt sie nur den Bruchteil einer Sekunde; die hebt mit zwingender Evidenz jenes Leben ins Innesein, das uns unbewusst all unser gewöhnliches Ich-Welt-Erleben durchwirkt.»(4) Lassen wir diese Beschreibung auf uns wirken, können wir darin die Wachheit aller Sondermeridiane erfühlen, vor allem auch diejenigen des Tschrong Mo und Tu Mo. Was Graf Dürckheim hier ausdrückt beschreibt Volkmar Glaser als „transzendente Eutonie“(5) : «Sie ist ein Zustand, der von der Vorstellung einer universellen Allverbundenheit bestimmt ist, die auf einer höheren Stufe wieder der vorprädikativen Eutonie (Anm. der Autorin: Eutonie des Säuglings) des einfachen Daseins entspricht. In ihr werden die durchlebbaren Entwicklungstendenzen zu einer Wesensschau des Menschlichen schlechthin verbunden.» Für Graf Dürckheim bedeutet Seinserfahrung Verwandlung. «Verwandlung als augenblickliches Erlebnis und Verwandlung als Auftrag. Die in der Seinserfahrung angelegte und aufgegebene Verwandlung zielt auf die grosse Durchlässigkeit, auf Transparenz für die im Menschen innewohnende Transzendenz. (…) In dieser Transparenz wird der Mensch erst eigentlich Person.» Um in diesem Sinne Person zu werden – «personare» kommt von «hindurch-tönen» - ist ein wichtiger Weg die Meditation. «Meditation als Übung auf dem geistlichen Wege erfüllt ihren Sinn nur als Übung zur Verwandlung! Der Sinn der Meditation als einer Verwandlungsübung ist eine Verfassung, in der der ganze Mensch als Geist, Seele und Leib durchlässig wird für das ihm in seinem Wesen innewohnende göttliche Sein, fähig, sich seiner inne zu werden in seinem Erleben und durch sich offenbar werden zu lassen in der Welt. Der Sinn der Meditation als Verwandlungsübung ist die zum Sein hin gewährleistete Durchlässigkeit der Person – auf dass das Sein in ihr und durch sie hervortönen (personare) kann in der Welt. Person meint eine zum göttlichen Sein hin durchlässige Form, eine geformte Durchlässigkeit des ganzen Menschen zur Bezeugung seines göttlichen Ursprungs in seinem endlichen Dasein.» So gibt es für Graf Dürckheim auch zwei Weisen, heil zu sein. «Die eine kraft psychophysischer Gesundheit, rechter Funktionstüchtigkeit für die Welt, die andere kraft des Einsseins mit dem Wesen auch im Ungenügen gegenüber der Welt.» Daraus ergibt sich, dass therapeutisch die eine oder andere Weise des Heil-Werdens angesprochen werden kann oder beide gleichwertig. Unser therapeutisches Ziel ist die Eutonie, welche die körperliche Wohlspannung mit dem seelisch-geistigen Gleichgewicht, die Verbundenheit mit dem Kern-Selbst bei gleichzeitiger Verbundenheit mit der Welt und der Transzendenz mit einschliesst. Eutonie ist auch möglich bei Krankheit oder schwierigen Lebensumständen. Die Förderung des Existenz- des Sozial- und des Ich-Vertrauens über die Kei Raku (Haltungen und Bewegungen als Ausdruck von archaischen Lebensbedürfnissen, bei welchen energetisch je eine Meridianachse aktiviert wird) kann zum Vertrauen in die göttliche Ordnung führen. Auch beim Berühren sprechen wir den beatmeten, den beseelten Körper, den Menschen in seinem Wesenskern an. Wenn wir in Kontakt mit dem Atem kommen, kann uns das im Sinne einer numinosen Erfahrung berühren. «Wo das Numinose auftaucht, ist das überweltliche Leben im Spiel. „Heilung“ ist dann nur möglich, wenn der „Kranke“ lernt, sich von dorther zu begreifen und sein Versagen in der Welt als Ausdruck der Blockierung einer Selbstverwirklichung zu verstehen, in der sein eigenes transzendentes Wesen hervorkommen sollte.» Mit dem Atem als Leitseil (Ilse Middendorf), als Medium unseres therapeutischen Vorgehens haben wir, wie Ludwig Schmitt gesagt hat, „den Königsweg“ zur Verfügung, um uns und die Menschen, mit denen wir arbeiten, in die Verbindung zum Kern-Selbst und zum Göttlichen zu führen. Die Heilkunst sieht Graf Dürckheim als eine Führungsaufgabe im Sinne der alten Meister. Mit den Sonder-, den Wundermeridianen können wir den Menschen auf seinem spirituellen Weg hin zur Vollendung seiner Persönlichkeit (Tschrong Mo), energetisch unterstützen. Oder wir begleiten ihn aus dem Agency-Verhalten hinaus zu vermehrtem Handeln aus dem Kern-Selbst und dem Herzen. Als Zentrum der Liebe vereinigt das Herz für Graf Dürckheim Himmel und Erde und vereint damit den «doppelten Ursprung». Einen Moment die Hand aufs Herz, den «I-am-place» (Jack Lee Rosenberg) legen und fühlen: «Ich bin.»
Anmerkung: Alle Zitate mit Ausnahme dessen von V.Glaser sind von Graf Dürckheim, entnommen den angegebenen Büchern. Ruth Gauch Mühle, Westringstr. 2,, 4500 Solothurn 032 623 53 66, ruth.gauch@atemtherapie.com (1) Karlfried Graf Dürckheim; Begründer der Initiatischen Therapie. Geboren 1896, gestorben 1988 |
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update:
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08.02.2006
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